| Afrika-Reise von Marcel Baumgartner |
Bericht von meiner Afrika-Reise 1999-2000.
| Dez. 1999
Meine Reise durch den schwarzen
Kontinent führte mich durch eine Vielzahl von Landschaften, Wüsten,
Savannen, Gebirgen, Hochplateaus. Aber auch die Menschen denen ich begegnete
waren diese Reise wert. Ich hatte so ziemlich die breiteste Stelle Afrikas
ausgesucht um mich auf den langen Weg zumachen quer durch den Sahel. Es
dauerte dann auch ganze drei Monate bis ich das rote Meer erreichte. Ich
musste viel kämpfen gegen die Hitze, Staub und Wind. Mein Tiefpunkt
überfiel mich so zusagen im Herzen des riesigen Landes. Am Tschadsee
war es für mich wie eine Lähmung, dass mir moralisch schon zu
schaffen machte. Auf der Landkarte betrachtet, war es ein wenig beklemmend
zu sehen, dass ich mich ziemlich genau in der Hälfte der Strecke Dakar
- Addis Abeba befand. Bis jetzt hatte ich seit Dakar 7000 km ( via Agadez
) auf übelsten Stein und Sandpisten zurückgelegt und ich wusste
genau, dass es mindestens nochmals solange dauern würde bis ich die
Ostküste erreichen würde. Ich hatte mir lange überlegt welche
Richtung ich von N`Djamena (Tschad) aus einschlagen sollte. Der kürzeste
Weg ans Meer war für mich nach Kamerun zu fahren. Aber was wäre
danach? Ich wäre dann immer noch in Westafrika und müsste das
Auto womöglich verschiffen. Also beschloss ich weiter nach Osten zu
kommen. Mit mir waren ja noch das Holländerpaar, die ich das erste
Mal im Konvoi von Marokko nach Mauretanien und später wieder in Bamako
getroffen hatte. Und da waren noch zwei deutsche Truckfahrer die mir auch
wieder Mut gemacht hatten. Die Pisten hier sind wirklich schlecht, wenn
es welche gibt. Wir fahren wochenlang durch diese Sahellandschaft, wochenlang
holpert und rüttelt es, wochenlang müssen wir den Staub schlucken.
Der Wind weht ständig und in die Luft ist vom Staub bräunlich
gefärbt. Es gibt Tage an denen wir keine Sonne sehen. Wie muss es
hier erst im Sommer sein? An meinen Händen hat sich Hornhaut gebildet,
die Haut ist ausgetrocknet, die Lippen rissig geworden. Die Holländer
plagen Malariaschübe. Muss dass wirklich sein?
Nyala (Sudan) ist echt Klasse.
Richtiges arabisches Flair. Auf dem grossen Platz beim Markt kann ich mein
Auto reparieren. Ich treffe Sirr, ein sehr zufriedener Mensch. Er ist Möbelschreiner
und nagelt aus alten Brettern Kisten und kleine Möbel zusammen. Damit
muss er seine Familie mit den 6 Kindern ernähren. Er spricht sehr
gut englisch und kann mir bei der Übersetzung mit dem Elektriker helfen.
Der Regler im Alternator ist kaputt und somit war die Batterie immer zu
hoch geladen und überhitzt.
Jetzt kann ich mich ein bisschen umschauen und die anderen arbeiten lassen. Auf dem Platz herrscht emsiges Treiben. Die Männer tragen lange weisse Tücher und Turbane und braune Ledersandalen. Die Frauen haben bunte Stoffe umgehängt, sie sind schön geschminkt, die Lippen dunkel gefärbt. Die Kinder neugierig, sie wollen mir Zigaretten und Bonbons verkaufen. Das Geschehen läuft ganz ruhig und gemächlich ab, es erinnert mich sehr an Indien. Es ist einfach die Ursprünglichkeit und die Spontanität was die Leute so prägt. Ich glaube auch, dass durch die wenigen Ausländer, die hier durchkommen, noch alles so friedlich ist. Die Einfachheit von diesem Land gefällt mir. Hier fahren noch so alte Toyotas herum, die habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen. Aber alles funktioniert. Es wird Abend, der Alternator wird ein und ausgebaut, das geht jetzt schon seit Stunden. Sirr meint es werde bald dunkel und wir würden nichts mehr sehen, ich solle doch morgen wieder vorbeischauen. Er hat ja recht, der Elektriker hat auch keine Nerven mehr und wir vereinbaren einen neuen Termin. Ich werde zu ihm nach Hause eingeladen. Hier kann ich mich waschen und neu einkleiden. Seine Frau serviert uns das Essen. Es gibt „Green grass“ an feiner Sauce, mit Fladenbrot. Ich müsse alles probieren, ich werde sicher nicht daran sterben und er auch nicht. Ich muss laut lachen. Ich trinke sogar das Wasser aus dem Brunnen. Als zweiter Gang wird uns Maccaroni mit gehacktem Fleisch und Tomatensalat aufgetischt. Zum Schluss noch einen feinen Tee. Wirklich lecker. Spät Abends fahren wir zu seinem Bruder. Dieser bringt uns noch ein Chicken an Erdnussbutter. Ich verplatze fast. Hier kann ich auch übernachten. Am nächsten Morgen fahre ich zu dem Werkstattplatz, wo mich auch der Elektriker erwartet. Mir werden Kaffee mit zuckerbestreuten Donuts gebracht. Es schmeckt fantastisch. Hmmm.....Tammam! In der Zwischenzeit, während die mein Auto reparieren, organisiere ich beim Landwirtschafts- und Forst-Ingieneur exakte Karten von den Deriba-Krater-lakes. Der höchste Berg im Sudan.(Jebel Marra) Übrigens,die Reparatur kostet nur 2000 Dinar. (12 Franken fuer ein ganzer Tag Arbeit) Mohammed, der freundliche Lehrer begleitet mich nach Kronga, einem idyllischen kleinen Dorf, etwa 16 km von Niertete entfernt. Fuer diese Distanz brauchen wir aber über einen halben Tag, es hat solch grosse Steine im Weg. Mohammed leistet grosse Arbeit. Einmal rutscht das Auto fast die Böschung hinab, wir müssen Steine unterbauen. In Kronga erwartet uns die ganze Dorfbevölkerung, wiedereinmal wird mir Essen aufgetischt. Am anderen Morgen um sechs Uhr in der Früh, beginnt der Aufstieg zum Krater. Asalig der Lehrer vom Dorf bietet sich als Führer an. Auf dem Weg kaufen wir noch frisches Brot. Es geht recht zügig voran, je höher dass wir aufsteigen, umso schöner wird der Ausblick über das weite Land und in die kleinen Canyons. Die morgendliche Luft ist ganz rein und kühl. Überall fliessen Bäche durch die saftigen Wiesen, kleine Wasserfälle stürzen in die Tiefe. Blühende Kakteen und Sukulenten wachsen in der fruchtbaren Erde. Ich kann es kaum erwarten, nach drei Stunden dann endlich kommt die Erleichterung. Wir sind oben! Einfach umwerfend. Unter uns in der Tiefe liegen sie, „men and woman“. Die beiden Seen liegen etwa 400m tiefer, in einer grossen mit gelbem Gras bewachsenen Ebene. Schwefliger Wasserdampf steigt auf und gibt der Umgebung etwas mystisches. Wir sind auf ca. 2700m, rechts von uns die höchste Erhebung, laut Karte 3030m hoch. Gerne wuerde ich zu den Seen hinabsteigen aber meine Füsse schmerzen so sehr. Das Heftpflaster schafft Abhilfe. Wir essen gemütlich unsere Sardinenbrote und Orangen. Asalig hat auch noch Datteln eingepackt. Diese Stille hier oben, unbeschreiblich. Der Abstieg ist fast noch mühsamer, dafür können wir unten angelangt ein heisses Bad in den „Hot springs“ geniessen. Another shity day! In Dubeibat sind die Tracks entlang der Eisenbahn nur schwer zu finden, ich fahre meist auf den Schienen, weil die Piste einfach zu tiefe Spurrillen von den Trucks hat. Ich kann kaum 40 fahren. Dann der erste Plattfuss in Afrika. Ein grosser Akaziendorn hat sich durch den Reifen gebohrt. Auch meine Blattfedern sind gebrochen. Die Schienen sind in sehr schlechtem Zustand, immer wieder liegen umgekippte Waggons neben der Trasse. Es ist heiss und windig, ich muss die Fenster schliessen. Aber der feine Staub dringt durch alle Ritzen und pudert mich ein. Ab und zu treffe ich auf Einheimische mit Eseln oder Kamelen. Eingehüllt in ihren Tüchern kämpfen sie sich durch die Wüste. Auch Lastwagen sind auf dieser Strecke unterwegs. Ich erinnere mich an den Konvoi den ich an der Tschad-Sudan Grenze getroffen habe, sie hatten Palmöl aus Malaysia geladen in Port Sudan und sind diese Mörderstrecke auch gefahren. Der Chef persönlich hatte sie in einem Lexus-Geländewagen begleitet, um den Konvoi vor Überfällen zu schützen. Auf den Trucks sitzen meistens bewaffnete Gestalten, denn hier soll es Rebellen geben. Ich treffe an einem Bahnhof zwei Schweizer Motorradfahrer, die auch auf den Schienen fahren. Sie kommen von Äthiopien und geben mir wieder einen Funken Hoffnung. Endlich die Erlösung, nach 700 km Sand komme ich nach Er Rahad, die zweite Stadt im Sudan seit Nyala. An meinem Auto klappert es überall. Ich finde einen Schweisser der den Dachzeltträger wieder zusammenklebt. Auf dem Markt kann ich mich wieder mit frischem Gemüse eindecken. Auch der Diesel ist billiger geworden, noch ganze 42 Rappen, wo ich doch in Nyala 55 Rappen bezahlen musste! Ich halte an einem Teeshop und trinke ein Glas heisse gesüsste Milch, dazu zwei noch warme Brote mit Marmelade, was will ich noch mehr? Alle Menschen begrüssen mich herzlich und wünschen mir gute Fahrt. Auf der Teerstrasse gelange ich bald nach Kosti, hier führt die Brücke über den Nil. Das Niltal ist die fruchtbarste Gegend Sudans, überall riesige Gemüsefelder. Mister Isaak ein kleiner einfacher Mann, ist der Manager vom American Club in Khartoum, er besitzt ein kleiner Campingplatz etwas ausserhalb der Stadt. Hier kann ich mich wieder erholen von den Strapazen. Tagsüber fahre ich in den Club, um mich am Pool zu erfrischen. Auf dem Camping treffe ich Patricia und Peter, sie sind mit meinen Kollegen durch Lybien in den Sudan gefahren. Diese sind gestern Richtung Süden losgefahren, schade, da wir uns ja immer irgendwo treffen wollten und unsere Kommunikation nie zu Stande kam. Als ich in der Stadt herumkurvte gab es plötzlich einen starken Ruck, ein Bus hat mich gerammt. Scheisse! Auch das noch, zum Glück ist nichts passiert, mein Auto hat nur Blechschaden. Alle Leute müssen aussteigen und den Bus verlassen, natürlich versperren sie die ganze Strasse und ich werde zur Attraktion. Der Chauffeur ist ein sehr netter Typ und wir teilen uns die 3000 Dinar (18 CHF) fuer die Reparatur. Ich muss halt inzwischen ohne Fahrertüre herumfahren. Er lädt mich zum Essen ein und wir besuchen alle seine Freunde, schliesslich trifft er nicht alle Tage einen Weissen. Die Stadt ist erstaunlich modern, es gibt ein paar Internet-cafes, die ich natürlich in jeder Hauptstadt aufsuche. Das Empfehlungsschreiben für das äthiopische Visa hole ich mir auf der Schweizer Botschaft. Herr Stalder, der Konsul, will demnächst auch in die Schweiz fahren, er hat einen neuen Patrol mit Dachzelt ausgerüstet. Hier muss man Geld verdienen! Denke ich. Auf dem Camping ist da auch noch Bruno, ein Franzose, der hat es nicht so eilig. Er sagt uns, dass er sich am 21.Juli 2001 die Sonnenfinsternis in Mocambique anschauen möchte. In Gallabat trinke ich meinen letzten „Djebana“ im Sudan. Alle Leute wünschen mir viel Glück fuer die Reise nach Äthiopien. Was erwartet mich da drüben? Die Grenze passiere ich problemlos, es trifft mich zwar fast der Schlag, denn die Leute sind so aufdringlich und die Kinder rennen hinter mir her und rufen die ganze Zeit : „You! You! You! „ was so viel bedeutet wie, gib mir Geld. Dafür entschädigt mich die fantastische Landschaft mit ihren bezaubernden Bergen und Schluchten. Die Strasse windet sich immer höher. Ich trinke einen Tee bevor ich das Hochland erreiche. Die Frauen hier haben ihre Haare zu schönen Zöpfen geflochten, sie tragen farbene Schals und um den Hals haben sie silberne Jesus-kreuze gehängt. Alle laufen baarfuss. Der Tee kostet mich 30 cents (6 Rappen). Das Land ist sehr trocken und die Leute arm. Die Kinder tragen zerlumpte Kleider, ihre farbigen Kappen erinnern mich an die Indios in den Anden. Viele schwerbeladene Maultiere gehen an der Schotterstrasse entlang. Die Frauen schleppen Unmengen von Gepäck auf ihren Rücken. In Gara Gara haben sich mehrere tausend Menschen auf einem Platz zum Markt versammelt. Plötzlich fallen ein halbes Dutzend Schüsse durch das Treiben und die Leute rennen panisch auseinander. Das Adrenalin schiesst mir durch die Glieder, ich verlasse die Menge blitzartig. In dieser Gegend tragen die meisten Männer Karabiner und Kalaschnikovs. Am Strassenrand stehen immer wieder russische Panzer, alle kaputt oder ausgebrannt, stehen sie als Denkmäler für den vergangenen Krieg. Die Strasse steigt stetig an. Mein GPS zeigt schon 3000m über Meer, kein Wunder kommt der Isuzu nicht mehr auf Touren. Rechts von mir der Mount Guna (4135m), an seinen Flanken gibt es Tannenwälder. Es ist erstaunlich, selbst auf 3600m gibt es immer noch Dörfer. Am Nachmittag ziehen meistens dichte Wolken auf und es giesst ab und zu in Strömen. Hier oben ist es empfindlich kühl. Immer noch kommen mir neue Iveco Tanklastzüge mit Anhängern entgegen, ob die wohl den Treibstoffnachschub an die Front sichern? Ich hörte, dass sich ein neuer Krieg gegen Eritrea anbannt. Auf dieser Höhe wird sogar noch Weizen angebaut. Ich finde einen grossartigen Schlafplatz zum übernachten. Neben mir geht es mindestens 1000m hinab in ein Canyon. Viele Leute kommen und schauen mir beim kochen zu. Ich schenke ihnen Teigwaren. Die meisten sind nur in Schaffelle eingehüllt und schlottern vor sich hin. Am Morgen zeigt das Thermometer nur noch 4 Grad, zum Glück habe ich einen guten Schlafsack. Ich bekomme frische Milch und Eier zum Frühstück. Wolken ziehen über die Gipfel und auch im Tal ist alles verhangen, die Lichtstimmung ist einzigartig. Ich fahre noch höher hinauf, 3860m zeigt der Höhenmesser. Die Menschen leben in Steinhäusern überall weiden Kühe, Schafe und Ziegen. Ein wirklich hartes Leben. Am gleichen Tag geht es in zahlreichen Kehren wieder auf 1300m hinunter. Im Tal ist es wieder angenehm warm, ich finde auf dem Markt alles was mein Herz begehrt. Tomaten, Zwiebeln, Karotten, Kartoffeln, Knoblauch und Auberginen auch feine, süsse Bananen gibt es zu kaufen. In Addis Ababa treffe ich Peter und Patricia wieder und wir können uns viel von unseren Erlebnissen erzählen. Wir feiern unseres Treffen mit einem feinen Spaghettiessen, dazu Äthiopischen Rotwein. Das Bel-Air Hotel ist unter den Overlandern sehr beliebt, aber uns gefällt dies überhaupt nicht. Die ganze Nacht ist Radau, wir können nicht schlafen. Ausserdem ist Gal hier, eine Israelin (mit Rucksack). Sie will heute weiter nach Süden und später nach Kenia reisen. Die hat Mut, alleine als Frau durch Afrika? Ich verabrede mich mit ihr in Arbaminch. Zuerst muss ich meine Malaria auskurieren. Diese hat mich gleich am ersten Morgen in Addis überfallen. Ich war gerade in einer Werkstatt um wieder meine Blattfedern zu ersetzen als es mir plötzlich schwindlig wurde. Um mich drehte sich alles, selbst absitzen nützte nichts, ich musste mich gleich übergeben und hatte Schweissausbrüche, zudem plagten mich Schüttelfröste. Ich wusste nur eins: So schnell wie möglich in ein Spital. Der Garagenbesitzer setzte mich dann auch in ein Taxi und wir fuhren ins nächste Krankenhaus. Der Fahrer bringt mich zu einem verfallen Gebäude. „Das soll das Spital sein“? frage ich den Chauffeur. „Yes, Yes, Hospital“ ! erwidert der Fahrer. Also gut, mir geht es ja so beschissen, in Äthiopien kann ich nichts Besseres erwarten, denke ich. Drinnen wimmelt es von Menschen, alle dreckig, zerlumpt und stinkig warten sie auf Hilfe. Ein Junge zeigt mir erst einmal wo ich mich registrieren soll. Ich muss an zwei verschiedenen Schaltern bezahlen, insgesamt 3 Birr (60 Rappen), dafür bekomme ich auch zwei Quittungen! Der Doktor meint ich müsse zuerst ein Bluttest machen. Dazu muss ich aus dem Spital und etwa 200m laufen. Hinter einer Bretterwand versteckt, steht ein rostiger Container in der sich das Labor befindet. Es ist sehr spartanisch eingerichtet. Die Schwester findet „Vivax“ im Blut, eine leichte Form der Malaria. Zurück im Spital, sagt mir der Doktor ich müsse für zwei Tage hier bleiben. Ich protestiere aber und sage, dass ich in diesem Elend nicht bleibe. Ich nehme mir dann ein Zimmer im Hotel und kann mich erholen. Ich muss 3 Fansimef schlucken (ein starkes Notfallmedi). Ausserdem besucht mich jeden Tag der Assistentsarzt im Hotel. Ich gebe ihm 10$, er ist überglücklich. Er erzählt mir von Verhältnissen im Spital. Die meisten Patienten mit Malaria würden dort sterben, weil sie oft erst nach Wochen Krankheit kämen. Er empfiehlt mir das „Brooks Medicalcenter“ um die nächsten Bluttests zu machen. Dort würden sie aber 60 Birr (9 Fr.) verlangen. Ich schmunzle und sage ihm, dass ich gut versichert wäre. Im Belair-Hotel treffe ich die „Panzerknacker“, die beiden deutschen Paare vom Tschadsee. Sie bleiben aber nur eine Nacht. Meine Fahrt geht weiter nach Arba Minch und Turmi. Dort treffe ich Gal wieder, sie ist schon ein paar Tage hier. Sie übernachtet im Busch, bei den „Hamar People“. Diese Stämme leben noch sehr traditionell in runden Holzhütten. Sie tragen Muschelketten und kupferne Arm-und Beinreife. Als Lendenschurz haben sie Ziegenfelle umgehüllt. Die Mädchen haben ihr Haar zu feinen Rastazöpfen geflochten und es mit einem lehmig öligen Farbbrei eingeschmiert. Die künstlich angebrachten Narben am Körper dienen auch als Schmuck. Am ganzen Körper haben sie sich mit ocker und weissen Farbtupfern bemalt. Als Schuhe dienen, aus alten Autoreifen gefertigte Sandalen. Gal erzählt mir, sie würden fast nichts essen und nur Kaffee und Maisbier trinken. Auf dem Markt gibt es nur die Schalen von Kaffeebohnen und getrocknete Maiskörner zu kaufen. Wirklich nicht viel zum leben. Gal will noch nach Jinka zu den Mursi Stämmen, eine Tagesreise entfernt. Diese hätten in den Unterlippen Holzscheiben eingesetzt, sozusagen die Indios Afrikas. Ich passiere den Äthiopischen Grenzposten illegal, weil sie mich nicht ausreisen lassen, also umfahre ich den Posten kurzerhand, ohne Ausreise-stempel. Die Piste zur kenianischen Grenze ist schwer zu finden. Ich verliere die Spuren im Sand. Dank dem GPS halte ich die grobe Richtung. Es geht im Flussbett Richtung Süden. Endlich finde ich wieder Spuren. Die ersten Dörfer tauchen auf. Ich gelange an den Lake Turkana und übernachte bei einer Mission am Ufer des Sees. In Illeret frage ich auf der Polizei nach den Einreiseformalitäten. Die freundlichen „Beamten“ wünschen mir eine abenteuerliche Fahrt ins 1000km entfernte Nairobi, natürlich Piste versteht sich. Ich könnte dort den Zoll erledigen. Zum Glück brauche ich kein Visa. Die holprige Piste führt durch eine braune Lavasteinwüste. Der türkisfarbene See glitzert in der Sonne, vereinzelt wachsen weisse, knorrige Bäume aus dem Boden der Mondlandschaft. Die riesigen weissen Kumuluswolken geben eine dramatische Szenerie. Es ist sehr trocken und heiss. Der Weg führt durch den Sibiloi Nat.Park. Vereinzelt treffe ich auf Gazellen, Zebras, Antilopen, Strausse und Schakale. In South Horr erreiche ich das Samburuland. Die Krieger tragen rote Tücher und viel Schmuck. Durch ihre Ohrläppchen sind grosse Elfenbeinteller gebohrt. Als Waffe dienen schön geformte, eiserne Speere. In Wamba verweile ich ein paar Tage zum Erholen und ich kann im Spital mein Auto reparieren. ( Blattfedern und Dachträger schweissen, Kühlerschläuche und Keilriemen ersetzen, Büchsen von Stossdämpfer und Trapezlenker auswechseln,etc...).Mein Auto hat es arg strapaziert in den letzten vier Monaten. Seit Dakar habe ich 15000 km fast nur Piste zurückgelegt. Aber von Erholung kann keine Rede sein, denn die Leute hier sind so urchig. Zusammen mit Michael versumpfe ich in den Bars von Wamba. Alle kauen „Mira“, eine Art Kokablätter zum berauschen. Die Theken der Bars sind alle vergittert, nur eine kleine Lucke zum herausreichen des Biers ist offen. Michael ist der Chef der Ranger. Er verwaltet hier verschiedene Wildschutzgebiete vom „Kenian Wildlife Service“. Er lädt mich zu sich nach Hause ein und erzählt mir schauerliche Geschichten von seinen Rangerzeiten. Im katholischen Spital, das von einem Schweizer geführt, wird kann ich Geld tauschen. Hier arbeiten viele Italiener. Sie bilden die Samburus zu Mechanikern oder sonstigen Arbeitskräften aus. Ich kann mich nur schwer trennen von Wamba es ist mir ans Herz gewachsen. Die vielen netten Leute bleiben mir noch lange in Erinnerung. Ich besuche noch den Samburu-Nationalpark, eigentlich sollte es jetzt Regenzeit sein, doch diese bleibt wohl dieses Jahr aus. Einen Vorteil, es gibt praktisch keine Touristen, was sich auf der Safari bezahlt macht. Mit mir ist Lawrence, ein Samburu, mit ihm komme ich als „Residence“ in den Park, wir erzählen dem Ranger, dass ich im Spital von Wamba arbeite und es klappt. Die vielen Elefanten, Zebras, Giraffen, Gazellen, Kudus, Waterbacks und Buffalos lassen sich von uns nicht stören und grasen friedlich neben unserem Auto. Auch ein Leopard können wir ganz nahe beobachten, mir bleibt fast das Herz stehen. Am Mount Kenia erreicht mich dann der Regen, ich kann „nur“ bis auf 4200m hinaufsteigen, ich habe meine Yetischuhe vergessen, denn als wir am Morgen aus der Hütte kriechen, ist die Landschaft mit weissem Puder überzogen. Kaum zu glauben, wir befinden uns auf dem Äquator, mein Träger friert sich fast den Arsch ab. In Arusha geht leider mein Geld aus und ich muss mich auf den Heimweg machen, diesmal aber mit dem Flugzeug. Mein Auto benötigt ausserdem Ersatzteile aus der Schweiz. Mein Trooper lasse ich vorerst in Arusha zurück. Dez. 2000 Nach einem kurzen Aufenthalt in Dar es Salam bin ich dann gleich weiter nach Süden gefahren. Kurz war der Besuch, weil ich einfach die Schnauze voll hatte und vorallem weil diese Banditen mein Auto aufgebrochen hatten und kurzerhand meine ganze Kameraausrüstung, Mobile-phone, Kleider und Schuhe usw. gestohlen hatten. Ich war natürlich sehr frustriert, der Kamera wegen. Zum Glück hatte ich noch eine kleine in einer anderen Box. Nach zwei Tagen auf der Polizei, es musste ja auf dem „Ordenary Way“ ablaufen und jeder musste seine Unterschrift geben, war ich auch fix und foxy. Dann hat es angefangen zu regnen, natürlich bin ich in der Regenzeit unterwegs, was ich ja gar nicht wusste, bis ich es spürte. Denn es musste ja den ganzen Tag schütten wie es sich gehört in der Regenzeit in Afrika. Also bin ich den ganzen Tag gefahren und jeden Tag und immer nach Süden. Zum Glück sind die Strassen sehr gut hier und praktisch kein Verkehr, so konnte ich meinem Isuzu Feuer machen. Und natuerlich hoffte ich dass es jemals besser wird mit dem Nass, mein Zelt fängt schon an zu schimmeln. Nach Tausend Kilometer seit Dar stand ich vor dem Sambian Borderpost und ich bunkerte meinen Tank voll mit dem teueren Sprit (Fr. 1.50) das heisst 200lilter. Denn in Sambia sollte der Diesel noch mehr expensive werden (1 US Dollar und mehr) und in Zimbabwe sollte ich dieses Land jemals erreichen gibt es gar keinen Sprit? In Sambia sind die Distanzen gross, bis in die Hauptstadt Lusaka 1100 km only. Und es regnet und giesst oh God wann wird dies je aufhören? Lusaka lasse ich links liegen. Und nochmals 500 keys bis zu den Victoria-falls. Ein schönes Schauspiel auch von der Sambian-side. Denn auf der Zimbabwen-side soll es 20 US kosten, das ist nichts für mein Geldbeutel denke ich. Die Zöllner werden mir nämlich noch ganze 30 Dollars fuer die 70 Kilometer Zimbabwe-road abknüpfen ist das nicht ein Verbrechen? Diese Strasse ist zwar ein Leckerbissen und ich muss da durch gehauen oder gestochen. Ich muss auch obacht geben, dass ich keinen Elefanten ramme oder umgekehrt. Von diesen gibt es hier zu Dutzenden auf dem Weg. Nach einer Stunde komme ich an den nächsten Zoll, der soll Botswana-borderpost heissen. Die Beamten sind sehr korrekt und ordentlich, wie es sich gehört im südlichen Afrika denke ich. Und es hat aufgehört zu regnen. Thank You ! Dafür setzt sich ein anderes Übel durch, ich glaub mich plagt wieder die Malaria. Die Sonne ist untergegangen, der Mond aufgegangen, Grillen zirrpen in die afrikanische Nacht hinein. Die Luft ist so rein und klar, der Himmel verfärbt sich von orange ins rot ins violett ins hellblau ins schwarze der Nacht. Die Sterne funkeln zum greifen nahe. Das Sternzeichen des Orion über mir. Wo ist das Kreuz des Südens? Ich bin in der Wüste. Der riesige Eisenklotz neben meinem Auto kommt aus den Weltall, ja er ist vor 80000 Jahren auf die Erde gefallen. Es muss einen gewaltigen Ruck gegeben haben. Fünfzig Tonnen Eisen und Nickel und Kobalt und Schwefel und Kohlenstoff und was hat es sonst noch in diesem Meteoriten? Es muss der grösste seiner Spezie sein in Afrika oder sogar der grösste auf Erden berichten mir die Buschmänner. Es habe ein grosses Licht gegeben man konnte nicht mit blossem Auge schauen, berichten mir die Buschmänner. Ob sie vor 80000 Jahren schon da waren? Und wenn nicht die Buschmänner dann sicherlich die Löwen und Elefanten und Leoparden und Kudus und Rhinos und Hippos und und. Ich bin von Windhoek gekommen heute. Die Strasse ist gut, immer gerade aus, die Luft hat geflimmert in der sengenden Mittagshitze. Fast keine Autos und wenn dann flitzen sie mit ihren Luxus-Bayern-Karossen vorbei mit hundertachtzig Sachen oder mehr (sprich BMW made in the Republic of South Africa). Alle hundert Kilometer wieder einmal ein Kaff. In Otjiwarango kaufe ich ein für die Wüste. Der SPAR-Supermarkt lädt ein zum Konsumrausch. Ich kaufe frisches Gemüse, Früchte, Milch und Joghurt und und. Im klimatisierten Shell-Select-Shop bestelle ich ein Steaksandwich und eine Schokolade made by Nestle S.Africa. Diesel ist erschwinglich hier, gerade einmal drei Namibian-Dollar oder siebzig Rappen. Ich zücke meine Mastercard und ritsch ratsch, schon ist bezahlt. Nebenan im Bottle-shop (Flaschenladen) gibt es feinen Rotwein im zwei-Liter Karton mit Hahnen oder soll es ein Fünf-Liter Karton sein? Ist das Afrika oder habe ich mich im Kontinent geirrt? Ich fliege weiter Richtung Norden. Das Handgas auf neunzig Sachen geschraubt. Das GPS zeigt exakt null Grad Nord. Der Höhenmeter 1600 Meter über Meer. Das Thermometer auf dem Armaturenbrett zeigt sechzig Grad an der Sonne, am Schatten vielleicht sechsunddreissig, siebenunddreissig? Seit Arusha hundert Stunden hinterm Steuer, ganze sechstausenddreihundert Kilometer gefressen. Ich geniesse die Freiheit und pfeife vor mich hin und schlürfe ein eisgekühltes Coca Cola light. Im Radio singen die Eagles “Welcome to the Hotel California”. Ist das Leben nicht schön? Im Januar 2001 komme ich in Kapstadt an mein Ziel meiner Afrika-reise. Nicole meine Schweizer Kollegin hilft mir beim verschiffen nach Malaysia, sie lebt schon 7 Jahre in Capetown und kennt schon ein paar Leute auf dem Zoll. Die Überfahrt nach Port Klang dauert 17 Tage. Dort treffe ich Andrew ein Malaye der mir einen Parkplatz in seinem Garten anbietet. Weil ich muss ja wieder einmal zum arbeiten gehen! Dez. 2001 - Feb. 2002 Unterwegs in Thailand, Laos,
Vietnam (Bin noch am Bericht schreiben).
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